Taste of Summer © by Emotional.Insanity
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Don't try to compromise

„Sooner or later
You´re gonna hate it
Go ahead and throw your life away”
( Sooner or later- Breaking Benjamin)


Offener Brief an alle Anas und wANAbes da draußen:
Ich verurteile keinen, und ich erde auch niemanden beleidigen. Ich bin sehr wohl bewusst, dass die Chancen, dass dieser Brief etwas bewirkt, sehr klein sind. Alle ignorieren gerne das, was sie nicht wahrhaben wollen, sagen sich, dass bei ihnen alles anders wird.
Ich bin genauso. Das Problem ist, es bringt nichts, irgendwann steckt man einfach drin, ohne das man es selbst richtig wahrgenommen hätte und dann fragt sich: „Warum musste ich mit dem Scheiß anfangen? War mein Leben wirklich so schlimm, dass ich dachte, ich müsste sowas machen?“ Die Antwort die man sich selbst darauf gibt ist wahrscheinlich die: „Scheiße, nein.“.
Ich denke nicht, dass irgendwer, nur auf Grund dieser Tatsache, dumm ist, jedenfalls nicht dümmer als ich selbst. Man lernt aus Erfahrungen und ich muss sagen, dass mich diese Erfahrung weitergebracht hat, mich zu einem anderen, vielleicht klügeren Menschen gemacht hat.
Die Frage ist nur: War es das wert?
Ich rede hier nicht von Magersucht. Ich rede nicht davon, dass ich nicht essen kann, dass ich klapperdünn bin und keine Freunde mehr habe, weil ich die Isolation, zur Erreichung meines Ziels, der gesellschaftlichen Akzeptanz, vorgezogen habe. Ich denke von dieser Version wisst ihr alle, seid bereit sie in Kauf zu nehmen, vielleicht strebt ihr sogar genau das im Geheimen an. Ich weiß das, denn ich war wie ihr, bin wie ihr. Doch in nenne mich nicht mehr Ana, bin nicht mehr „pro“, weil ich weiß, dass Ana Menschen ihr Leben klaut. Ihr habt die Kontrolle, bis ihr sie eines Tages verliert.
Das ist die greifbare Realität. Nur ein Bruchteil der Menschen die damit anfangen, erreichen ihr Ziel: Tod durch Verhungern. Denn das ist das Ziel, macht euch selbst nichts vor. Tief drin, wenn man mit dem selbstzerstörerischen Verhalten begonnen hat, will man sterben. Man weiß, dass die letzte Konsequenz, das „Endziel“, von alledem, der Tod ist.
Man stellt sich das ungeheuer romantisch vor, eine Illusion, die auf Pro AnaSeiten erschaffen wird: Ich will so leicht sein, dass ich durch den Schnee gehen kann, ohne Fußspuren zu hinterlassen. Ich will so dünn sein, dass ich zwischen den Regentropfen tanzen kann, ohne nass zu werden.
Das erzeugt ein Bild einer Art Fee, Engel, Märtyrer, den eignen Verstand zu blenden. Dass das nicht der Wirklichkeit entspricht, muss ich, glaube ich, nicht sagen, irgendwo ist es euch bewusst: permanente Kälte, man ist müde, antriebslos, und die Tage bestehen irgendwann nur noch aus aufstehen, wiegen, so wenig wie möglich essen, zwischendurch noch Sport treiben, um dann schlafen zu gehen, den Tag einfach irgendwie rumzubringen. Dann wieder: aufstehen, wiegen, den Tag schnell beenden...Man lebt, um auf die Waage zu steigen, das ist der einzige Grund, aus dem man morgens noch das Bett verlässt.
Wie gesagt, ich denke ihr wisst das. Das mit dem Tod wahrscheinlich nicht, man macht es sich, aber auch nicht wirklich bewusst. Ich weiß was ihr jetzt denkt: „ Ich will doch nicht sterben, die spinnt. Ich liebe mein Leben, nur meinen Körper kann ich nicht leiden. Irgendwann werde ich aufhören zu hungern und mein Gewicht halten.“ Ja, das habe ich auch gedacht. Und das ist mir widerfahren: Ich bin im Internet über Pro Ana gestolpert. Ich habe meinen Körper gehasst. Ich habe angefangen zu hungern. Ich habe 7kg abgenommen. Dann habe ich die Kontrolle verloren. Ich habe angefangen zu fressen. Ich habe 11 kg zugenommen, von 49 auf 60. Ich habe wieder versucht abzunehmen, es aber immer nur kurzfristig geschafft. Manchmal habe ich 64kg gewogen, manchmal unter 60, mal 59, 57, 56, 55 und dann ging es immer wieder rauf. Im Moment wiege ich 59, aber wer weiß, wie lange das anhält?
Warum passiert das? Dazu haben wir (mein Twin und ich; Ja, ich habe einen Twin, auch wenn wir uns jetzt nicht mehr so bezeichnen, wir sind einfach sehr gute Freunde, aber so hat es angefangen) eine Theorie:
Alle, die Pro Ana werden, haben in sich diesen Teil der sterben will. Das ist ihnen meistens nicht bewusst, aber das ist der Grund warum die morbide Pro Ana Welt, dieses Streben nach Hunger und Perfektion, auf Kosten der Gesundheit, so eine starke Anziehungskraft ausübt. Aber da einem bei Pro Ana das endgültige Ziel, der Tod, immer wieder vorgehalten wird (Ana Till The End), ist dieses Bewusstsein, verdrängt, irgendwo vorhanden (Das ist der Grund, warm es bei „normalen“ Magersüchtigen, die da irgendwie reinrutschen, ohne sich dessen bewusst zu werden [ bei Pro Ana dreht sich, bei genauerer Betrachtung, ALLES um bewusst werden] so selten passiert. Sie hungern sich beinahe oder wirklich zu Tode. Aber das ist auch die „richtige“ Magersucht, wobei im Internet, durch Pro Ana, eine Art „künstliche Magersucht“ entsteht). Man ist sich folglich des Todes bewusst, besitzt aber dennoch einen, wenn auch unterdrückten Lebenswillen, der wie eine Art Gummiband funktioniert.
Das Gummiband wird, je mehr und weiter man abnimmt, gedehnt, immer stärker gespannt. Bei manchen ist das mehr, bei anderen weniger, aber irgendwann ist die Strapazierfähigkeit des Gummibands überschritten und es schnellt zurück: Man fängt wieder an zu essen, nimmt zu.
Bei denen das nicht passiert ist der Todeswunsch stärker als der Überlebenswille, sie sterben. Eins von beidem wird euch auch passieren.
Ich weiß, ihr habt gehört, von Leuten, die in der Lage sind mit ihrer Essstörung zu leben, jahrelang, ihr Leben lang.  Das sind eure Vorbilder, richtig? Wisst ihr was es heißt mit seiner Essstörung zu leben?
Genau das: zunehmen, abnehmen, zunehmen, abnehmen, sein Leben lang, niemals glücklich oder zufrieden mit dem eignen Körper, niemals ankommen.
Das ist was ich mache, gezwungenermaßen, denn ist ein bestimmter Punkt überschritten, kann man nicht aufhören, nicht  mehr aussteigen. Man sitzt fest in einem Karussell, mit weißen, Nüstern geblähten, Pferden, Feuerwehrwagen und Polizeiautos. Der Lack splittert, man fährt im Kreis und die Umgebung verschwimmt, wird unscharf, unbedeutend.
Das ist wohl das, was mit allen Besitzern der Pro Ana Seiten passiert, die jeden Tag, von heute auf morgen, scheinbar grundlos, verschwinden. Denn das Muster ist immer dasselbe: Eine Pro Ana Seite wird erstellt, der Besitzer nimmt ab, bis zu einem bestimmten Gewicht, dann bekommt er einen riesen Fressanfall und Zweifel an der ganzen Sache, nimmt ein paar Kilo zu, meldet sich über Wochen nicht, kommt dann aber wieder, nimmt weiter ab, zwei Kilo, dann wieder zwei Kilo zu, drei Kilo ab, ein Kilo zu, ein Kilo ab, drei Kilo zu und irgendwann verschwindet die Seite.
Dann ist das Mädchen keine Ana mehr, aber sie ist immer noch essgestört, nimmt ab, nimmt zu, kämpft, nur jetzt allein und ohne Hoffnung, dass sich jemals etwas verändert. Das ist die Wahrheit. Glaubt mir, das wird passieren, wenn ihr damit anfangt, nicht rechtzeitig aufhört. Vielleicht ist es schon zu spät. Für einige bestimmt. Für andere noch nicht. Aber es wird soweit kommen, wenn ihr jetzt nicht die Notbremse zieht.
Ihr werdet euer Ziel, die Perfektion, nie erreichen. Ihr werdet entweder sterben, oder (sehr viel wahrscheinlicher) am Ende dicker und unglücklicher sein als vorher, ohne Hoffnung, aus diesem Kreislauf je wieder ausbrechen zu können.
Wollt ihr das?